Wer Thai-Massage lernen will, der muss in erster Linie: üben, üben, üben. Natürlich spielt auch “theoretisches Wissen” eine Rolle – zu wissen welche Symptome wie zu behandeln sind, anatomisches Fachwissen und so weiter.
Doch viel wichtiger als das ist in der Thai-Massage Feingefühl zu entwickeln. Denn ist Massage nicht ein schematischer Bewegungsablauf, nicht ein Prozedere, sondern eine Dialog zwischen zwei Körpern, ein Austausch, eine kinesthetische Kommunikation, ein energetischer Austausch. Der Thai-Masseur gibt dem Körper des Massierten einen Impuls – und spürt dann genau nach um zu erkennen: wie wird dieser Impuls aufgenommen? Wie wird auf diesen Impuls reagiert?
Doch wie können wir solch eine Fähigkeit trainieren?
Aus der Medizin kennen wir Palpationstechniken. Wer damit nicht vertraut ist: Palpation ist die Kunst durch’s Ertasten Aufschluss über den Gesundheitszustand eines Menschen oder eines Organes zu erhalten. Sich damit vertraut zu machen ist durchaus sinnvoll.
Doch wir meinen nicht ausschließlich die medizinische Palpation, sondern auch eine andere, weniger greifbare, weniger wissenschaftlich quantifizierbare Art des Feingefühls: zu spüren wie es der anderen Person geht, und das emotionale, kinesthetische und psychische Befinden des Patienten auf eine sehr intuitive Weise zu verstehen.
Ich nenne es gerne fühlendes Verstehen.
Die erste Grundlage dafür ist ein aufrichtiges Interesse an der anderen Person. Der Wille – und die fokussierte Absicht – den anderen Menschen zu verstehen um ihm etwas Gutes tun zu können ist unersetzbar. Auch das ist natürlich etwas “unkonkretes” – und für manche Menschen ist diese Art der Erklärensweise nervend und “unpräzise”. Doch gerade wenn das auf dich zutrifft lohnt es sich wenn du dich intensiver damit befasst.
Deine Intention ist etwas das sich vielleicht nicht “messen” lässt – und die meisten Menschen schließen daraus, dass sich deine Intention auch nicht auf andere Menschen auswirkt. Doch Intention kann eine sehr starke Wirkung auf andere Menschen haben.
Und ich will dich an dieser Stelle garnicht davon überzeugen, dass das so ist. Das einzige worum ich dich bitte ist es einfach mal auszuprobieren. So zu tun als ob deine Intention einen Unterschied ausmacht, und ganz bewusst auf deine Intention zu achten wenn du mit einem anderen Menschen interagierst. Wenn du selbst dann nicht bemerkst, dass es einen Unterschied macht ob du jemandem etwas Gutes tun willst oder einfach nur Zeit verbringen willst, dann hak es ab und probier etwas anderes. Aber es braucht nicht allzuviel Bewusstheit um zu merken dass Intention eine wesentliche Zutat erfolgreicher Heilungsprozesse ist.
Auf der anderen Seite gibt es auch wieder ganz handgreifliche Dinge, die du tun kannst um ein besserer Thai-Massage-Therapeut zu werden.
Dazu zählt zum Beispiel mit Ton arbeiten – denn das trainiert dein Fingerfertigkeitsgefühl nochmal auf eine andere Art und Weise also Palpationstechniken und ähnliches. Das Schöne daran wenn Du mit Ton arbeitest ist, dass du ein unmittelbares, klar ersichtliches, unverfälschtes Feedback auf jede noch so kleine Bewegung bekommst. Hat das was du getan hast den Effekt erzielt, den du beabsichtigt hast, oder nicht?
Ich hoffe du hast etwas von diesem Beitrag gewinnen können. Es gibt viele Menschen in Berlin die Thai-Massage praktizieren, und es würde mich sehr freuen wenn der eine oder die andere diesen Beitrag als Anlass nimmt einfach einmal damit zu experimentieren auf welche Weisen er oder sie das eigene Feingefühl noch ein bisschen verfeinern will.
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